Was sich wie eine fixe Idee eines Romanautors anhört, ist jetzt wissenschaftlich in einer groß angelegten Studie bestätigt worden. Wir Menschen könnten allein durch unsere Ernährung und unser Essverhalten unser eigenes Überleben und das des Planeten Erde sichern. Denn die Zahl der Weltbevölkerung wird schon 2050 auf über 10 Milliarden ansteigen. Und das stellt uns alle vor ein großes Problem. 

Wie werden sich die Menschen in Zukunft ernähren? Wird es weiterhin Massentierhaltung geben? Wird ein Umdenken statt finden? Wissenschaftler haben in einer breit angelegten Studie herausgefunden, dass es sogar ein Umdenken geben MUSS, um die Menschheit, deren Anzahl immer weiter zunimmt, auch in Zukunft ernähren zu können.

„The planetary health diet“

Gestern wurde „The planetary health diet“ der EAT-Lancet Commission vorgestellt, eine Art Speiseplan, der sowohl unser, als auch das Überleben der Erde sichern könnte. 37 Forscher*Innen aus 16 Ländern und diversen Fachgebieten (Humanmedizin, Landwirtschaft, Politik und Umweltwissenschaft) haben einen Ernährungsplan entworfen, der das Überleben der Menschheit sichern könnte und zeitgleich auch die Ressourcen der Erde schonen soll. Die Wissenschaftler, darunter auch Forscher der renommierten Harvard University, stellten einen Speiseplan zusammen, der für alle Menschen der Welt gelten sollte.

Der weltrettende Speiseplan

Gerade in den Industrienationen wird zu viel Zucker und Fleisch konsumiert. Vor allem die steigende Massentierhaltung macht vielen Umweltschützern Sorgen. Die vermehrte Haltung von Rinderherden stellt das größte Umweltproblem dar. Bei der Verdauung produzieren Kühe das Treibhausgas Methan. Dieses ist sogar noch um einiges umweltschädlicher als CO2. Es heizt das Klima 25 Mal stärker auf. Nur wenn wir den Fleischkonsum drastisch reduzieren – in Deutschland dürften wir nur noch ein Zehntel des bisherigen Fleisches essen – könnten wir etwas für die Umwelt tun.

Auch könnte durch eine bestimmte Ernährungsform die Anzahl an Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Diabetes drastisch nach unten korrigiert werden. Nicht wenige Erkrankungen sind auf eine dauerhaft falsche, zu fettige, fleischlastige und wenig ausgewogenen Ernährung zurückzuführen.

Screenshot aus der planetary health diet // Screenshot: EAT

 

Rindfleisch sollte nur noch ganz selten auf den Teller kommen, genauso Fisch und Hühnchen. Das Eiweiß, das wir so dringend benötigen, soll vor allem durch Nüsse und Hülsenfrüchte ersetzt werden – täglich. Obst und Gemüse sollte rund die Hälfte des Tellers ausmachen. Vor allem stärkehaltige Gemüsesorten wie Kartoffeln oder Yamwurzeln werden hier genannt.

Die planetary health diet en detail!

Diese Speisen sollten pro Tag auf deinem Speiseplan stehen:

50 Gramm Nüsse
75 Gramm Hülsenfrüchte (Bohnen, Linsen, Kichererbsen)
28 Gramm Fisch
13 Gramm Eier (also etwa eineinhalb Eier pro Woche)
14 Gramm rotes Fleisch
29 Gramm Hühnerfleisch
232 Gramm Vollkornprodukte
50 Gramm stärkehaltiges Gemüse
250 Gramm Milchprodukte (etwa ein Glas Milch oder Milchersatz wie Sojamilch, Reismilch, Hafermilch)
300 Gramm Gemüse
200 Gramm Obst
31 Gramm Zucker
50 Gramm Öle

Dass diese Art der Ernährung sehr bunt ausfallen kann, beweisen die Wissenschaftler mit diesen Rezeptvorschlägen:

Rezeptvorschläge der planetary health diet // Screenshot: EAT

Nicht nur das Essverhalten müsste sich ändern

Wie die planetary health diet und der große Report der EAT Lancet Commission ebenfalls zeigen, sind es nicht nur die Menschen, die ihr Essverhalten korrigieren müssten. Auch Politik und Landwirtschaft müssten ihre Schlüsse aus der Studie ziehen und etwas ändern. Es müsste auf fossile Brennstoffe verzichtet werden, die Landwirtschaft müsste nachhaltiger werden, auf den Einsatz von Pestiziden verzichten. Genauso sollte die Verschwendung von Lebensmitteln um 15 Prozent verringert werden.

Diese neue Studie bestätigt nur, was Umweltschützer schon seit Jahren predigen. Neu ist jedoch, dass Mensch und Umwelt auf die gleiche Stufe gestellt werden. Denn nur, wenn es der Erde gut geht, kann sie uns das schenken, was wir zum Leben brauchen. Eine zerstörte Umwelt und zerstörtes Land, auf dem nichts mehr wächst, auf dem wir nichts mehr zu Essen finden, wird auch uns irgendwann zum Verhängnis werden.

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Aufmacher by Edgar Castrejon on Unsplash