Text: Steffi Schmitz

Auf der Suche nach Entschleunigung landen wir früher oder später im Yoga- oder Töpferkurs. Aber warum landen wir nicht einfach mal im Bett? Und zwar ohne Leistungsdruck und Orgasmuspflicht. „Du hörst für einen bestimmten Zeitpunkt damit auf, zu kommen oder reduzierst es, und so bewahrst Du die Energie. Die Energie wird dann von selbst hochsteigen, dazu muss man nichts weiter tun“, sagt Slow-Sex-Guru Diana Richardson, deren Ratschläge auf der indischen Tantra-Lehre beruhen.

Es geht um bewusstes Atmen, bewusstes Spüren des eigenen Körpers und vor allem bewusstes Einlassen auf den Partner – mit langsamen Berührungen und innigem Augenkontakt. „Habt achtsamen Sex, wenn Ihr die Liebe und die Verbindung zu Eurem Partner nähren wollt“, so Richardson. Die Italiener nennen das übrigens Karezza. Klingt wie eine Espresso-Sorte, bedeutet aber soviel wie “Streicheln“ oder „Liebkosen“. Offenbar genießen es sogar die italienischen Machos, mal keine Hochleistungen im Bett vollbringen zu müssen. Es ist echt schlimm, dass mittlerweile sogar schon junge Männer Potenzprobleme haben, weil der normale Sex mit ihrer Freundin nicht mit dem mithalten kann, was sie sich regelmäßig in Pornos anschauen. Höchste Zeit mal „runterzukommen“ und vielleicht mal den Mädels die Führung zu überlassen. Denn die werden in Sachen Sex deutlich selbstbewusster.

Frauen werden selbstbewusster im Bett

„Eine Frau sollte mit ihrem eigenen Körper in sexueller Hinsicht vertraut sein, und das Ganze mit Lust und Genuss verbinden und nicht mit schlechten Gedanken. Dann kann sie lustvoll Ja oder auch bewusst Nein sagen“, so die Sexualtherapeutin Ann-Marlene Henning im Interview mit Edition F.

Die neue „Female Power“ zeigt sich auch in erfrischend frechen Formaten wie dem Podcast „Besser als Sex“ oder der TV-Sendung „Paula kommt“. Starke Frauen reden unverkrampft über das, was sie im Bett wollen und auch nicht wollen. Für die schwedische Filmemacherin Erika Lust, die Pionierin des ethischen Pornos, ist es ein Verdienst des Feminismus, das jede Frau ihr eigenes wahres Verlangen laut aussprechen kann. In ihren Filmen zeigt sie vor allem weibliche Phantasien: Natürlich, ästhetisch und mit sehr viel Zeit und Achtsamkeit.

„Awareness in sex creates love“

                                                                                   (Slow-Sex-Erfinderin Diana Richardson)

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Aufmacher-Photo by Sharon McCutcheon on Unsplash

Dieser Text erschien zuerst in der FOGS Winterausgabe 2018. Hier nachbestellen.