In Deutschland landen jährlich rund elf Millionen Tonnen Essen im Müll. Ein großer Teil davon wäre noch genießbar. Aber aufgrund von beschädigten Verpackungen, überschrittenem Mindesthaltbarkeitsdatum oder Überproduktion verschwenden wir viel zu viele Lebensmittel. Das ist nicht nur schade um das Essen, sondern auch schlecht für die Umwelt: Laut dem Bundesministerium für Umwelt gehen für ein Kilo verschwendeter Tomaten 180 Liter Wasser verloren, bei einem Kilo Bananen sind es sogar 850 Liter.

Die gute Nachricht: Es gibt mittlerweile mehrere Initiativen mit dem Ziel, noch essbare, aber nicht mehr verkäufliche Lebensmittel vor der Tonne zu bewahren. Wir stellen euch einige davon vor.

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Foodsharing

Eine der ersten organisierten Initiativen gegen Lebensmittelverschwendung ist der Verein foodsharing. Über die Online-Plattform vernetzen sich mittlerweile über 200.000 LebensmittelretterInnen in ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz. Das Ziel: übrig gebliebenes Essen bei Restaurants, Hotels, Kitas oder Händlern zu „retten“. Was sie selbst nicht verwerten können, verteilen die FoodsaverInnen beispielsweise im Bekanntenkreis, der eigenen Wohngemeinschaft oder an öffentlichen Ausgabestationen. Das ganze passiert dabei ohne Gegenleistung: Sämtliche Arbeit läuft ehrenamtlich ab und eine Mitgliedschaft ist kostenlos. Da es hierbei nicht nur viele hygienische, sondern auch Regeln im Umgang mit dem Personal der Partnerbetriebe gibt, muss jede(r) FoodsaverIn einen Online-Test ablegen, um Mitglied zu werden.

Too Good to Go

Foodsharing App
Bildcredit: Too Good to Go

Das Prinzip ist hier dasselbe wie beim foodsharing-Verein. Allerdings muss kein Test abgelegt, aber ein kleiner Betrag pro geretteter Mahlzeit bezahlt werden. Die Partnerbetriebe stellen noch genießbare, aber nicht mehr verkäufliche Ware kurz vor Ladenschluss zu einem günstigen Preis in die App. Man muss sich nur registrieren und kann sein Essen dann gleich abholen. Wie gut die Ausbeute tatsächlich ist, hängt ganz vom jeweiligen Shop oder dem Restaurant ab. Aber „Die Faustregel ist, dass unsere KundInnen für den bezahlten Too Good to Go Preis Essen erhalten, welches im regulären Verkauf mindestens doppelt so viel gekostet hat“, versprechen die Betreiber.

Jedes Mal, wenn ein Essen gerettet wird, bekommt Too Good to Go rund einen Euro Provision, der Rest geht an den Anbieter. Die Vielfalt ist hier enorm! Von Vorschlägen zum Mittagessen, Abendessen oder Frühstück lassen sich vegetarische Optionen filtern, fertig gekochte Gerichte gibt es genauso wie „Überraschungstüten“ von Supermärkten. Drin ist, was am jeweiligen Tag übrigbleibt – es handelt sich also tatsächlich meist um eine Überraschung. Die App gibt es kostenlos für Apple (hier) und Android (hier) zum Download.

Etepetete

Foodsharing Box
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Nicht nur Mindesthaltbarkeitsdaten und Hygienevorschriften sorgen für Lebensmittelverschwendung, auch Normen für Obst und Gemüse hindern einen großen Teil der Ernte daran, in die Geschäfte zu gelangen. Aber alle, die selbst schon mal „krumme Dinger“ geerntet und probiert haben wissen: Der Geschmack hat nichts mit der Form zu tun! Bei Etetepetete bekommt man genau dieses, von der Norm abweichende, Obst und Gemüse von ausgewählten Bio-Bauern zugeschickt. So wurden mittlerweile schon über eine Million Kilo Gemüse gerettet! Im Onlineshop gibt es Boxen für ein bis zwei Personen für 19,90 Euro.

Sirplus

Foodsharing Markt
Bildcredit: Sirplus

Das Start Up Sirplus kämpft mit vier „Rettermärkten“ in Berlin bereits seit 2017 erfolgreich gegen die Lebensmittelverschwendung. Hier gibt es nur Lebensmittel, die andernfalls im Müll gelandet wären. Mittlerweile hat Sirplus so schon mehr als 500 Tonnen Lebensmittel an 100.000 Kunden verkauft! Für alle, die nicht in Berlin wohnen, gibt es hier auch einen Onlineshop, in dem es sogenannte Retterboxen zum Verkauf gibt.


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